Von Beruf Abenteurer

Von Beruf Abenteurer

(Nachtrag zum Kapitel 28, in dem es u.a. um die Welser Wallnstorfer geht, auch um die „Würzenkramerstochter“ Elisabeth)

Noch eine interessante Entdeckung kann ich in den Salzburger Bürgerbüchern machen. Ludwig Pezolt hat am Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur die Namensindizes zu diesen Bürgerbüchern ab 1441 erstellt, die mir das Aufspüren des Handschusters Erhard Walderstorffer erst ermöglicht haben, sondern er hat zusätzlich die Bürgerbücher auch alphabetisch nach Berufsbezeichnungen erschlossen. Und gleich die erste Berufsangabe bringt mich zum Schmunzeln, steht da doch „Abenteurer“. Gleich zwei Personen, nämlich Heinz Kantzler (1457, Krämer und Abenteurer, aus der Gegend von Nürnberg stammend) und Stefan Grueber (1469) haben diesen „abenteuerlichen“ Beruf ausgeübt. Für nähere Informationen verweist der Index allerdings auf die Liste der „Krämer“.

Und das, was hier unter der Überschrift „Kaufmänner und Handelsleute“ aufgelistet ist, klingt teilweise tatsächlich abenteuerlich:

Abenteurer, Barchenthändler, Betenhändler (?), Buchführer, Buchhändler, Buchhalter, Eisenhändler, Eisenkrämer, Eisengeschmeidehändler, Factoren (Handelsfactoren), Fastenspeishändler (?), Französisch-Waarenhändler, Früchtenhändler (Obstler), Galanteriewaarenhändler, Gstadl(?)händler (Schachtelhändler), Handelsherren, Holzhändler, Hölzlkramer, Knopfwaarenhändler, Krämer, Kunstführer, Leinwand-(Weißwaarenhändler), Materialisten, Melbler [? Möbelhändler], Nürnberger-Waarenhändler, Pfaidler, Roßhändler, Saphoier (?), Schleierkrämer, Schotten, Seidenhändler, Silberhändler (Silberkrämer), Spezereiwaarenhändler, Tüchler (Tuchmacher, Tuchhändler, Watmanger, Wollschläger), Venetianer-Waarenhändler, Walchen-Krämer, Wein-(Süßwein)Händler.

Ausgezogen aus den alten Bürgerbüchern 1441-1715 & aus den Stadtraths-Protokollen 1716-1800

Stadt Salzburg, BU 19h Bürger nach Berufsarten 1441-1800, erstellt von Ludwig Pezolt 1899
https://www.stadt-salzburg.at/buergerbuecher/bu_19h_index_buerger_nach_berufen_j%E2%80%93r.pdf

Habe ich also doch nicht so weit daneben getippt, als ich über den Beruf des Würzenkrämers geschrieben habe: „Wer immer dieser Würzenkrämer, ihr Großvater, war – allein schon diese Berufsbezeichnung klingt nach fernen Ländern, nach fahrenden Händlern, nach südlichen Düften… Vielleicht ist etwas vom Flair der großen weiten Welt auch in das Blut seiner Enkelin übergegangen.“ (Mischwald, S. 187)

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