Nachträge nach Drucklegung

Nachträge nach Drucklegung

Während das Buch bereits gedruckt wurde, hatte ich Gelegenheit, noch einige weitere Details in Erfahrung zu bringen, die ich hier als Ergänzung zum Buch nachtrage.

Zu Kapitel 31

(Seite 209 ff.)

Je länger ich die Erkenntnisse um den Wehrbauern Hans Waltenstorffer auf mich wirken lasse, umso plausibler erscheinen mir die angeführten Argumente einerseits für seine Herkunft aus Oberösterreich, andererseits für sein Abtauchen in die Steiermark. Er scheint relativ rasch wieder aus Salzburg zu entschwinden, da er in den zahlreichen Akten des Salzburger Erzbistums[1] nicht weiter vorkommt.

Ganz anders sein Kollege Hans Ottenperger. Etliche Male bestätigt er in den folgenden Jahren (mindestens bis 1433), dass er seinen Sold erhalten habe und der Erzbischof ihm nichts mehr schuldig sei. So nebenbei erfahren wir auch, dass Hans mittlerweile verheiratet ist. Dabei dient er mindestens drei Erzbischöfen. Denn nach Eberhard III., der 1427 stirbt, folgt bis 1429 Eberhard IV. (von Starhemberg) und danach Johann II. (von Reisberg).
Nach schweren Niederlagen der kaiserlich-katholischen Heere gegen die böhmischen Hussiten beteiligt sich auch Erzbischof Johann in den Jahren 1430 bis 1432 an den Kreuzzügen gegen die Hussiten, die weit nach Ungarn und Schlesien führen. Dazu nimmt der Erzbischof zahlreiche neue Söldner in seinen Dienst. Aber auch Hans Ottenberger beteiligt sich am „Zug wider die Ungläubigen in Böhmen“. Ob Hans Waltenstorfer zu diesem Zeitpunkt bereits im steirischen Vulkanland einen Bauernhof bewirtschaftet?

Ottenberger gibt es bereits im 14. Jahrhundert zahlreiche in den Archivdokumenten. Die ältesten Zeugnisse finden wir in den Urkunden des Passauer Domkapitels und des Stiftes Reichersberg. Dabei tritt Hermann Ottenberger in den 1370er Jahren als Sigillant auf, also als Beamter, der mit seinem Sigel ein Dokument amtlich macht. Präntl Ottenberger wird als einer von mehreren ehrbaren und glaubwürdigen Zeugen für die Bekräftigung eines Vertrages genannt. Ernreich der Ottenperger bestätigt in einem von seinem Vater Hiltprant Ottenperger gesigelten Dokument von 1378, dass er vom Domkapitel von Passau eine halbe Hube zu Nieder Jnczing zu Erbrecht erhalten habe. Ein Ottenberger ist Chorherr im Stift Vilshofen – ob er der Gleiche ist, der als Griffo (oder Greif) Ottenperger 1386 zum Probst des Stiftes Reichersberg gewählt wird, ist mir nicht ganz klar. Dieser ist jedenfalls ein Bruder von Ernreich.
In den Jahren 1387 und 1388 sigelt ein Ulrich Ottenberger die Dokumente des Passauer Domkapitels – er wird wenig später auch als Burgherr von Schärding bezeichnet, das damals zu Bayern gehörte. Friedrich Ottenberger ist als Burghüter zu Schärding sigelberechtigt; wenige Jahre später heißt der Burghüter Hermann. 1416 ist Hermann Ottenberger Landrichter von Vilshofen. Ein Hans Ottenberger ist um 1440 Chorherr in Vilshofen, Erasmus Ottenberger um 1468 Landrichter zu Schärding. Das ganze bayrisch-oberösterreichische Grenzgebiet am Inn scheint am Ende des 14. und Beginn des 15. Jahrhunderts vorwiegend in der Hand von Ottenbergern zu sein.  In der Tat scheint auch Hans Ottenberger, der dann so viele Jahre lang für die Erzbischöfe von Salzburg reitet und kämpft, in diese Sippe zu passen und kommt vielleicht doch eher aus Bayern als aus der Gegend um Wels.

Im Verlauf des 15. Jahrhunderts finden wir die Ottenberger dann zunehmend auch in Österreich: Oswald Ottenberger, den Mautner von Enns, Hanns Ottenperger, Urbar-Richter zu Sankt Peter in Salzburg (ob er gar derjenige ist, der ein Jahr zuvor noch im Dienst des Erzbischofs gekämpft hat?), Caspar Ottenberger, Bürger in Krems, Andreas Ottenberger, Bürger in Hainburg.

Möglicherweise hat also auch Hans Waltenstorffer seine Vorfahren in Bayern. Und vielleicht gibt es sogar einen Vorfahren im Dienst des Salzburger Erzbischofs. In der Inhaltsangabe eines Dienstbriefes aus dem Jahr 1382 wird ein neu aufgenommener Kämpfer jedenfalls Georg Walssdorffer genannt, ich selbst würde den Namen aber eher als Wolfsdorff lesen[2]:

Ich Seifrid von Gallenberg, ich Georg Walssdorff (? Wolffsdorff), Und ich Hanns Maynhart Wir ? offenn mit dem brief, daz wir dem Erwirdigen fürsten unßm genädigen Hren, Hn Pilgrim Erzbischofn ze Salzburg legaten dez Stuls ze Rom, haben, und füren wellen drey Spiezz, und zwen schützen, mit harnasch und rozzen wolgezeugt als darzu gehört… alles daz, daz an dem brief geschribn ? & gebn ist ze Salzburg an sand Urbans tag, nach christi gepurd drewzehenhundt Jar, darnach in dem zwey und achtzikisten (? achzigsten) jar

Im Zentralarchiv des Deutschen Ordens in Wien befindet sich ein Dokument aus dem Jahr 1416, das den Ausgleich in einem Rechtsstreit dokumentiert, in dem es auch um einen Priester der Diözese Regensburg namens Mathias Walthendorffer geht.[3]

In einer Urkunde des Domkapitels Passau aus dem Jahr 1444 wird der Schneider Peter Walltndorffer, Bürger zu Deggendorf, angeführt.[4]

So werden mit dem Priester Mathias Walthendorffer und dem Schneider Peter Walltndorffer Spuren nach Bayern gelegt, die auch nicht ganz außer Acht gelassen werden sollten. Vielleicht kommen tatsächlich diese frühen bürgerlichen Waltersdorfer nicht aus dem Bauerndorf Wallnstorf bei Gunskirchen, sondern aus Bayern. Die Nähe und enge Verbundenheit mit Oberösterreich wäre dennoch gegeben.

 

Zu Kapitel 30

(S. 197 ff.)

Auch zu Andreas Waltersdorfer, dem Stadtrichter von Wiener Neustadt, gibt es weitere Informationen: Im April 1454 wird er in einem Pachtvertrag unter dem Namen Andre Walstorffer als Besitzer einer Wiese vor dem äußeren Ungertor genannt.[5]

In Bratislava sind zwei Bittgesuche erhalten, unterzeichnet von Andre Waldstorffer, Stat und Judenrichter in der Neunstat (Stadt- und Judenrichter in der Neuen Stadt = Neustadt). Darin bittet der Richter der Juden aus Wiener Neustadt den Senat (von Bratislava), bei einigen Personen zu intervenieren, damit sie ihre fälligen Schulden bei Wiener Neustädter Juden begleichen.[6]

 

Zu Kapitel 42

(S. 311 ff.)

Auch in Wien gibt es bereits im Jahr 1501 einen Hanns Walderstorffer. Er hat in der Weihburggasse ein Haus von Hanns Konstorfer übernommen, das nun von Kaiser Maximilian zum Dompropsthof bestimmt wird, nachdem der bisherige Dompropsthof zum bischöflichen Hof gemacht worden ist. [7]

Die erste Wohnung des Domprobsten nach Errichtung des Wiener Bisthums 1480 befand sich auf der Fischerstiege in den, dem Rathhause gegenüber stehenden Häusern; die Probstei war damals zuvörderst auf die Einkünfte von Perchtoldsdorf (Petersdorf) angewiesen. Allein die große Entlegenheit der Fischerstiege von der Domkirche bewog Friedrich III. schon 1482 den Dompröbsten die Häuser der Bürger Joh. Wilderstorfer[8] und Hansens Khranstorfer in der Weihenburg (Weihburggasse) anzuweisen. Hier blieben sie, bis der Bischof und Cardinal Melchior Clesel im J. 1609 in der Singerstraße eine neue Probstei gründete….[9]

Damit erhöht sich die Zahl der namentlich erfassten Waltersdorfer auf 1437 Personen.

[1]      zu finden auf: monasterium.net

[2]      Haus-, Hof- und Staatsarchiv Salzburg, Erzstift (798-1806) AUR 1382 V 25, in: monasterium.net, URL </mom/AT-HHStA/SbgE/AUR_1382_V_25/charter>, accessed at 2018-12-28Z

[3]      Wien, Deutschordenszentralarchiv (DOZA) Urkunden 2997, in: monasterium.net, URL </mom/AT-DOZA/Urkunden/2997/charter>, accessed at 2018-12-28Z

[4]      München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv Domkapitel Passau Urkunden (898-1797) 7674, in: monasterium.net, URL </mom/DE-BayHStA/PassauDomkapitel/7674/charter>, accessed at 2018-12-28Z

[5]      Wiener Neustadt, Neukloster Urkunden (1267-1881) 1454 IV 21, in: monasterium.net, URL </mom/AT-StiANK/NeuklosterOCist/1454_IV_21/charter>, accessed at 2018-12-28Z

[6]      Archív hlavného mesta SR Bratislavy Magistrát mesta Bratislavy, zbierka listín a listov 3226, in: monasterium.net, URL </mom/SK-AMB/362/3226/charter>, accessed at 2018-12-28Z; das zweite Bittgesuch unter der Nummer 3227

[7]      Wien, Diözesanarchiv Urkunden (1139-1600) 15011201, in: monasterium.net, URL </mom/AT-DAW/Urkunden/15011201/charter>, accessed at 2018-12-28Z

[8]      Damit dürfte wohl die gleiche Person gemeint sein, die in der Urkunde Walderstorffer genannt wird.

[9]      Anton Köhler (Hg.), Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien, Wien 1846, S. 375

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