Zusammenfassung

Zusammenfassung

In der Lebenszeit von Sebastian Waltersdorfer, der in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in Waltra ansässig ist und eine Schlüsselfigur für meine eigene Familiengeschichte darstellt, kommt es aufgrund des Bevölkerungswachstums zur Gründung vieler neuer Pfarren, darunter auch St. Anna am Aigen. Unter anderem geht auch die Zuständigkeit für die Ortschaft Waltra von der Pfarre Trautmannsdorf auf die Pfarre St. Anna über. In der Phase dieses Zuständigkeitswechsels gibt es Lücken in den Kirchenbüchern.

Aus den vorhandenen Matriken von St. Anna am Aigen geht hervor, dass es in Waltra am Ende des 18. Jh. nur zwei Waltersdorfer-Familien gibt, jene von Sebastian und Cäclia (geb. Köberl) im Haus Nr. 6 und jene von Josef und Konstantia (geb. Fassold) im Haus Nr. 37. Beide Ehepaare bekommen zwischen 1784 und 1805 insgesamt 16 Kinder, die für die weitere Ausbreitung der Familie in den kommenden Jahrzehnten maßgeblich sind. Im Sterbebuch von St. Anna ist der Tod von Sebastian am 18.11.1803 eingetragen mit einem Lebensalter von 52 Jahren. Demnach muss er um 1750 geboren worden sein.

Die Geburt von Sebastian kann im Taufbuch von Trautmannsdorf tatsächlich am 20. Jänner 1750 gefunden werden. Seine Vorfahren lassen sich in den Matriken von Trautmannsdorf weiter zurück verfolgen bis zu seinem Urgroßvater Michael, der im Jahr 1661 aus der Pfarre Straden nach Waltra geheiratet hat. Davor gibt es im ganzen Pfarrgebiet von Trautmannsdorf keine/n einzige/n Waltersdorfer. Auch in allen umliegenden Pfarren ist der Name zu dieser Zeit nicht zu finden. Einzig in der Pfarre Straden existieren in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zwei Waltersdorfer-Familien. Man kann also davon ausgehen, dass die zum Beginn nur sehr kleinräumig vorhandenen Träger dieses Namens sich ausgehend von der Gegend um Straden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts über das Gebiet von Waltra, Jamm und Bairisch Kölldorf, und dann weiter nach St. Anna am Aigen, Frutten, Windisch Kölldorf, Pichla und Kapfenstein – also rund um den Stradner Kogel – ausbreiten. Parallel zur Ausbreitung der Familie in Waltra und Umgebung gibt es auch im Ursprungsgebiet um Straden im 18. und 19. Jahrhundert eine eruptionsartige Vermehrung der Familie. Wir haben es also bei den Waltersdorfern mit einer zutiefst im südoststeirischen Vulkanland verwurzelten Familie zu tun. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgt eine Ausbreitung nach Graz und in andere Regionen der Steiermark und darüber hinaus.

Der Familienname variiert von Anfang an in vielen unterschiedlichen Schreibweisen zwischen den beiden Hauptformen Waltensdorfer und Waltersdorfer.

Aufgrund der räumlichen Nähe der beiden Ursprungsväter Urban und Martin kann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einer engen Verwandtschaft ausgegangen werden. Ich nehme an, dass es sich um Brüder handelt. Auf dieses Weise ist es möglich, die 400-jährige Geschichte sämtlicher Waltensdorfer und Waltersdorfer in der Region in einen einzigen Stammbaum mit zwei Hauptlinien zusammenzufassen.

Die Tatsache, dass der Familienname in der Anfangsphase im weiten Umkreis nicht vorkommt, legt die Vermutung nahe, dass es sich um eine, wahrscheinlich im 16. Jahrhundert, eingewanderte Familie handelt. Eine im 19. Jahrhundert aus Wels in Oberösterreich kommende Bettlerin mit dem gleichen Familiennamen bringt mich auf die Fährte der oberösterreichischen Wallnstorfer. Ich entdecke, dass sich auch (fast) alle oberösterreichischen Wallnstorfer und Wallerstorfer auf einen gemeinsamen Ursprung zurückführen lassen, und dieser liegt in der Ortschaft Wallnstorf bei Gunskirchen, von wo die Familie auch den Namen hat. Die Spuren reichen hierbei bis an den Beginn des 16. Jahrhunderts zurück. Vier Einzelpersonen, deren Einordnung nicht eindeutig ist, tauchen sogar bereits im 15. Jahrhundert auf.

Auch wenn ich es nicht beweisen kann, gehe ich davon aus, dass in dieser Familie aus Oberösterreich auch die Wurzeln aller steirischen Träger dieses Familiennamens zu finden sind.

Diese Arbeit erhebt nicht den Anspruch wissenschaftlicher Professionalität, und ich kann nicht garantieren, dass ich alle Zusammenhänge richtig erkannt und gedeutet habe. Möglicherweise habe ich auch die eine oder andere Person falsch eingebunden. Aber es sind mir am Ende nur einige ganz wenige Personen übriggeblieben, bei denen die Informationen nicht gereicht haben, um sie irgendwo einreihen zu können.

Immerhin ist es mir aber gelungen, mehr als 600 Personen, die in der Steiermark mit dem Namen Waltensdorfer/Waltersdorfer geboren wurden, also so gut wie alle in dieser Region seit 1600 erfassbaren Träger dieses Familiennamens in einen einzigen Stammbaum zu integrieren. Damit müsste wohl jede und jeder, der in seiner eigenen Familiengeschichte einen Waltersdorfer-Bezug in der Steiermark am Anfang des 20. Jahrhunderts herstellen kann, einen Anknüpfungspunkt finden.

Darüber hinaus sind in dieser Darstellung auch mehr als 600 oberösterreichische Träger des Familiennamens Wallnstorfer/Wallerstorfer erfasst, die auch als größtenteils zusammenhängende Familie nachgewiesen werden können. Eine Verbindung mit der steirischen Familie kann nur vermutet, jedoch nicht bewiesen werden.

Zusammen mit einigen aus Ungarn stammenden Familien (darunter auch einige jüdische), die nicht näher mit den beiden österreichischen Großfamilien in Zusammenhang gebracht werden können, sind in dieser Darstellung 1433 Personen namentlich erfasst, die seit ca. 1570 mit dem Familiennamen Waltersdorfer (in mehreren Abwandlungen) im Bereich der ehemaligen österreichischen Monarchie geboren wurden. Zwei konkrete Spuren (der Spitalmeister Sigmund Wallenstorfer aus Wels und der Stadtrichter Andreas Wallenstorfer aus Wiener Neustadt) führen sogar bis ins 15. Jahrhundert zurück. Und mit Hanns Waltenstorffer, einem berittenen Wehrbauern im Dienst des Salzburger Erzbischofs, geboren um 1390-1400, haben wir möglicherweise sogar den Urahnen des steirischen Familienzweiges vor uns.

Abgesehen von einigen Auswanderungsfamilien in Nord- und Südamerika scheint der Familienname in seinen unterschiedlichen Ausformungen heute nur in Österreich zu existieren.

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